Intel XeSS vs. Nvidia DLSS vs. AMD FSR – Kampf der KI-Giganten

Intel XeSS vs. Nvidia DLSS vs. AMD FSR – Kampf der KI-Giganten

In der Welt des PC-Gamings ist die Bildrate König. Je flüssiger ein Spiel läuft, desto direkter und immersiver wird auch das Spielerlebnis. Aber was tun, wenn deine Grafikkarte nicht ganz mithalten kann, um die gewünschten Frames pro Sekunde (FPS) zu erreichen?

Während früher dann meist der Weg zum Hardware-Händler deines Vertrauens nötig war, gibt es mittlerweile von den drei großen Grafikkarten-Herstellern passende Lösungen, um die Lebensdauer deiner Grafikkarte deutlich zu verlängern: Nämlich Intel XeSS 1.3, Nvidia DLSS 3.7 und AMD FSR 2.2. In diesem Beitrag begeben wir uns in den Supersampling-Ring und stellen diese drei Giganten gegeneinander, um herauszufinden, wer im wortwörtlichen Supersampling-Game die Nase vorne hat.

Was ist KI-Upsampling überhaupt?

Bevor wir starten, müssen wir natürlich die Frage beantworten, was genau Supersampling/Upscaling/Hochskalieren genau bedeutet: Kurzgesagt, werden Spiele in einer niedrigeren Auflösung berechnet – was Leistung spart – und dann von einer mehr oder minder smarten KI hochskaliert, bzw. in einer höheren Auflösung wiedergegeben. Im Idealfall bekommst Du so etwa die gleiche Bildqualität wie mit nativer Auflösung, gewinnst aber viel Leistung dazu.

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Nun aber zum RGB-Triell der Upscaling-Lösungen:

In der grünen Ecke: Nvidia DLSS 3.7

DLSS (Deep Learning Super Sampling) ist Nvidias proprietäre Upscaling-Technologie, die auf Deep Learning basiert. Wie der Versionsname es schon vermuten lässt, ist Nvidia der OG im Supersampling-Game. Denn seit 2018 gibt es die Technologie nun schon. Anfangs noch etwas belächelt und nur in wenigen Games verfügbar, ist sie mittlerweile kaum noch wegzudenken und zaubert in Variante DLSS 3.7 beeindruckend scharfe Bilder auf den Bildschirm. Dabei übertrifft DLSS in der Regel die native Auflösung sogar – zumindest, wenn ihr als Einstellung „Qualität“ auswählt.

 

Einziger – relativ großer – Haken: DLSS funktioniert nur mit Nvidia RTX-Grafikkarten, die über spezielle Tensor-Kerne verfügen. Und neuere Features – wie etwa Frame Generation, das KI-Zwischenbilder berechnet – laufen nur auf aktuellen RTX 4000er-Karten. Nvidia ist zwar noch Marktführer, was die Verbindung aus sehr guter Optik und Performance-Gewinn angeht, doch die Konkurrenz holt auf, wie wir im Vergleich sehen werden.

Gerade für Gaming-Handhelds, wie die MSI Claw, sind deswegen die folgenden beiden Technologien hochspannend::

In der roten Ecke: AMD FSR 2.2

FSR, kurz für FidelityFX Super Resolution, ist AMDs Antwort auf die Upscaling-Herausforderung von Nvidia. Die Technologie ist bereits seit einiger Zeit auf dem Markt und überzeugt durch ihre einfache Implementierung und breite Kompatibilität mit einer Vielzahl von Grafikkarten, einschließlich Nvidia- & Intel-Modellen.

AMD FSR Logo

FSR 2.2 bringt einige Verbesserungen gegenüber seinem Vorgänger mit sich, darunter schärfere Bilder und reduziertes Ghosting. In punkto Bildqualität kann es allerdings nicht ganz mit den beiden Konkurrenten mithalten. Dafür liefert es meist eine hohe Performance im Vergleich.

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In der blauen Ecke: Intel XeSS 1.3

Der jüngste Herausforderer im Ring ist XeSS (Super Sampling) von Intel. XeSS 1.3 ist noch relativ neu, holt aber in Sachen Bildqualität schnell auf.

Wie DLSS nutzt auch XeSS maschinelles Lernen, um detaillierte und scharfe Bilder zu erzeugen. XeSS punktet außerdem mit seiner plattformübergreifenden Kompatibilität, da es sowohl auf Intel Arc-Grafikkarten als auch auf Nvidia- und AMD-Modellen läuft.

Runde 1: Bildqualität

Wer KI-Skalierer einsetzt, will natürlich keine großen Kompromisse bei der Bildqualität eingehen. Hier liefern sich die drei Kontrahenten mittlerweile ein denkbar enges Rennen. DLSS 3.7 hat dank seines ausgereiften KI-basierten Ansatzes oft die Nase vorn und erzeugt besonders scharfe und detaillierte Bilder. Logisch, denn je länger und mit mehr Daten man eine KI trainiert, desto „smarter“ wird sie.

Gerade, wenn viel Bewegung im Bild ist oder feine Muster hochgerechnet werden sollen – wie etwa bei einem engmaschigen Zaun – brilliert DLSS besonders. XeSS 1.3 steht dem aber mittlerweile kaum nach und kann in einigen Spielen sogar die Oberhand gewinnen. Im neuen PC-Port von Horizon Forbidden West wird zum Beispiel fließendes Wasser von XeSS etwas akkurater dargestellt. Im Allgemeinen lässt sich sagen: Objekte in Bewegung haben weniger Geisterbilder als bei der Konkurrenz.

FSR 2.2 hinkt in diesem Bereich etwas hinterher und hat zuweilen mit ebendiesem Ghosting bei kleinen Objekten zu kämpfen. Auch feinere Details können noch zu sogenanntem „Shimmering“ führen, also leichten Bildfehlern, bei denen Objekte aufblinken.

Das fällt aber in der neuesten Version 2.2 immer weniger ins Gewicht und insgesamt kann auch hier resümiert werden, dass das AMD-Upscaling für eine deutliche Verbesserung der Bildrate sorgen kann. Und auf einem kleinen Display, wie etwa bei der MSI Claw, sieht man die Unterschiede in der Realität kaum.

Horizon Forbidden West™ XeSS vs DLSS vs FSR Blog

Wir reden schließlich über Details, die man wirklich mit der Lupe suchen muss. Gerade für Gaming-Handhelds, FPS-Fans oder ältere Grafikkarten sind FSR, DLSS und XeSS so also prädestiniert.

Runde 2: Leistung

Und das bringt uns auch zum wichtigsten Punkt: Denn bei der Leistung können alle drei Upscaling-Technologien auffahren. Die Bildrate in Cyberpunk steigt – im Vergleich zur nativen Auflösung – etwa um knapp 247 % bei AMD FSR 2.1 im Modus „Ultra Performance“, während DLSS hier gar knapp 248 Prozent schafft und XeSS auf 165,5 % kommt. Das klingt erstmal nach einem deutlichen Abstand zwischen FSR, DLSS und dem XeSS. Aber wir vergleichen hier jeweils die schnellsten Performance-Modi miteinander. Während FSR und DLSS mit der Option „Ultra-Performance“ aufwarten, kann XeSS nur maximal auf „Performance“ herunter.

Dafür punktet XeSS hier nochmal mit einer etwas besseren Bildqualität. Warum diese Unterschiede hier vorherrschen? In Cyberpunk kommen noch die älteren Fassungen FSR (2.1) und XeSS (1.2) zum Einsatz, während Nvidia bereits mit der aktuellen DLSS-Fassung 3.7 rendert. Dennoch ist gerade das Ergebnis von FSR beeindruckend, dass trotz älterer Version 2.1 schon nah an Nvidia herankommt – allerdings auf Kosten der Bildqualität, wie man in den Screenshots unschwer erkennen kann.

In der Einstellung Qualität sieht es ähnlich aus: DLSS 3.7 und FSR 2.1 liegen knapp 10% auseinander, können die native Bildrate aber jeweils etwa verdoppeln. Große qualitative Unterschiede gibt es zur natürlichen 1440p-Auflösung keine. Hierbei rendern beide mit 67% der Auflösung, was in etwa einer Full HD+-Auflösung entspricht. Auch Intel XeSS 1.2 in „Ultra Quality“ rendert in 67% der Auflösung, sieht nicht schlechter aus als natives 1440p und sortiert sich qualitativ hinter DLSS, aber klar vor FSR 2.1. Dafür erreicht es allerdings auch deutlich niedrigere Bildraten und steigert den Leistungsgewinn zum Spielen ohne Upscaling „nur“ um 52 Prozent.

Dennoch: Das Leistungs-Rating geht knapp an Nvidia, dicht gefolgt von AMD, die in älteren Implementierungen ihrer Upscaling-Lösung noch die Nase vor Intel haben. In ein paar Monaten könnte dieses Feld aber anders aussehen.

Runde 3: Kompatibilität

Auch bei der Kompatibilität und einfachen Implementierung kann AMDs FSR 2.2 überzeugen. Die Technologie läuft auf einer Vielzahl von Grafikkarten, einschließlich Nvidia- und AMD-Modellen und ist dazu in sehr vielen Games bereits im Einsatz. DLSS 3.7 ist hingegen, wie eingangs erwähnt, exklusiv für Nvidia RTX-Grafikkarten mit Tensor-Kernen reserviert. XeSS 1.3 kommt langsam in immer mehr neue Games und Intel scheint als einer der größten Player im PC-Markt auch bestrebt, dass das so bleibt.

Implementierung

FSR 2.2 ist als Technologie am einfachsten zu Implementieren und kann in viele Spiele mit nur wenigen Codezeilen integriert werden. Da auch PlayStation 5 und Xbox Series auf AMD-Hardware setzen, ist FSR außerdem oftmals ein Unterbau für Hochskalierungstechniken, die der begrenzten Konsolen-Hardware 4K-Auflösungen oder hohe Bildraten entlocken sollen.

DLSS 3.7 erfordert mehr Entwicklungsaufwand und ist eben nur für kompatible Nvidia-Spiele verfügbar. Während es zum Release der Technologie nur eine Handvoll Games gab, sind es mittlerweile über 400 (Liste). XeSS 1.3 ist in der Implementierung ähnlich wie DLSS, bietet aber Open-Source-Tools für Entwickler. Aufgrund der Herstellerübergreifenden Verfügbarkeit holt XeSS auch stark auf und wird in fast allen aktuellen PC-Games bereits zu Release angeboten oder nach weniger Zeit nachgereicht. So geschehen unter anderem bei Starfield.

Eine weitere Unterscheidung muss aber zwischen den verschiedenen Software-Versionen getätigt werden. Schließlich setzen nicht alle Games auf die neueste Variante der Upscaler. So kommt oftmals noch DLSS 2, FSR 2.1 oder XeSS in den früheren Versionen 1.1 oder 1.2 zum Einsatz. Wer jetzt übrigens nach FSR 3 schreit – denn das gibt es bereits – dem sei gesagt: Es ist beim Upscaling identisch zu FSR 2.2, bietet allerdings noch einige weitere Features, wie AMD Fluid Motion Frames, die Antwort auf Nvidias Frame Generation. Dabei werden zusätzliche Zwischenbilder via KI berechnet, was die Bildrate nochmals erhöht. Intel arbeitet bereits an einer ähnlichen Lösung mit dem bisherigen Titel ExtraSS (über den Namen sollten wir in Deutschland vielleicht nochmal diskutieren).

Und welcher Upscaler ist nun der beste?

Die Antwort auf diese Frage hängt von deinen individuellen Bedürfnissen und deiner Hardware ab.

Gamer mit Nvidia RTX-Grafikkarten, die die beste Bildqualität und Leistung suchen, sind mit DLSS 3.7 bestens bedient. Hier gibt es dann auch noch die genannten Zusatz-Features, wie Frame Generation oder Reflex (Latenzreduzierung von Eingaben). Nett, aber da sie auch nicht in allen Games zum Einsatz kommen, nur semi-entscheidend.

Wer eine plattformübergreifende Lösung mit guter Bildqualität und einfacher Implementierung sucht, ist mit XeSS 1.3 gut beraten. Gerade auf Gaming-Handhelds kannst Du damit große Leistungsgewinne erzielen, ohne auf die Optik verzichten zu müssen. Die Version 1.3 hat dabei einen riesigen Schritt nach vorne gemacht und ist nun qualitätstechnisch auf einem Level mit Nvidia. Nur bei den Bildraten-Zuwächsen ist Team Grün noch minimal vorn, wobei es in Horizon Forbidden West bereits ein Kopf-an-Kopf-Rennen geworden ist. Bei Cyberpunk 2077 und der älteren Version XeSS 1.2 zeigt sich auch, wie schnell sich Intel verbessern konnte, da hier die Bildraten noch knapp ein Drittel unter Nvidia DLSS 3.7 liegen.

AMDs FSR 2.2 ist eine gute Wahl für Gamer mit älteren Grafikkarten, Gaming-Handhelds oder einem begrenzten Budget, die ihre Bildrate ohne (zu) große Einbußen bei der Bildqualität verbessern möchten – auch wenn XeSS im Spiel noch nicht implementiert wurde, ist es eine erstklassige Alternative. Zudem liegen die Leistungszuwächse bereits mit FSR 2.1 nah an Nvidias Lösungen und somit auch noch über Intels letzter Generation XeSS 1.2.

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Zockst Du also Stand heute* Cyberpunk auf deiner MSI Claw, dann liefert dir FSR höhere FPS-Zahlen, auch wenn die Bildqualität noch nicht an Intels oder Nvidas Lösung herankommt.

Egal für welche Technologie du dich entscheidest, alle drei Upscaler bieten eine deutliche Verbesserung des Spielerlebnisses, wenn deine Grafikkarte nicht ganz mit den neuesten Spielen mithalten kann oder du schlichtweg höhere Bildraten bevorzugst.

TLDR: Wer gewinnt den Kampf?

Es gibt keinen eindeutigen Sieger im Supersampling-Showdown. Alle drei Technologien haben ihre eigenen Stärken und Schwächen. Die Wahl des richtigen Upscalers hängt letztendlich von deinen individuellen Bedürfnissen und deiner Hardware ab.

FSR 2.2 ist eine gute Wahl, wenn du nach einer einfach zu implementierenden und kompatiblen Lösung suchst, die deine Bildrate ohne große Einbußen bei der Bildqualität verbessern kann.

DLSS 3.7 bietet die beste Bildqualität und hohe Bildraten, bleibt aber exklusiv für Nvidia RTX-Grafikkarten.

XeSS 1.3 ist ein starker Neuling mit plattformübergreifender Kompatibilität und beeindruckender Bildqualität, der DLSS in Zukunft den Rang ablaufen könnte.

Sind im Spiel deiner Wahl ältere Versionen der Upscaler implementiert, dann lohnt es sich für FPS-Fans auf DLSS oder FSR zu setzen. Alle, die hauptsächlich eine gute Bildqualität wollen, setzen auf DLSS oder – mangels Nvidia-Grafikkarte – auf Intel XeSS.

*Stand: 22.04.2024

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Veröffentlicht von Clemens

Großer Film- und Serien-Fan, der von Antonioni bis Tarkowski (fast) alles gesehen hat, was Kino und Fernsehen hergeben. Durch Super Nintendo und PS1 fand er Mitte der 90er seine Leidenschaft für PC- und Konsolenspiele. Zockt mittlerweile vornehmlich am selbstgebauten Gaming-PC und gelegentlich auch auf der PlayStation.

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